Feilschen, was das Zeug hält

Im Auslandsurlaub ist es gang und gäbe: Leidenschaftlich feilscht ihr mit dem Straßenhändler, um den Preis für ein ohnehin günstiges T-Shirt oder eine billige Sonnenbrille weiter zu drücken. Am Schluss spart ihr bei der Aktion vielleicht umgerechnet 50 Cent und fühlt euch glücklich.

Image by mohamed Hassan from Pixabay

In der Heimat, wo es meist um viel höhere Beträge geht, ist aber bisher kaum einer von euch auf die Idee gekommen zu feilschen, stimmt’s? Dabei ist das auch bei uns erlaubt – schon seit 20 Jahren. Damals hat die rot-grüne Bundesregierung das 1933 von den Nazis eingeführte Rabattgesetz samt Zugabeverordnung gekpippt. Laut diesem Gesetz durften Händler ihren Kunden maximal drei Prozent Rabatt bei Barzahlung einräumen. Doch diese Grenze gilt nicht mehr. Seit 2001 darf auch in Deutschland hemmungslos gefeilscht werden. 

Eine Mentalitätsfrage

Doch warum passiert das im Alltag kaum? Ich vermute, es hat auch ein Stückweit mit der deutschen Mentalität zu tun. Die Deutschen lieben klare Regeln und Vorgaben. Der vom Händler genannte Preis wird als Festpreis wahrgenommen, den man anstandslos akzeptiert. Nur im Urlaub ist das nicht so, denn dort möchte man ja den Alltagsregeln mal für ein paar Wochen entfliehen. Außerdem steckt wohl das Vorurteil in unseren Köpfen, dass man in südlichen Urlaubsländern sowieso übers Ohr gehauen wird, wenn man die Preise nicht herunterhandelt. 

Ich kann nur raten: Probiert es auch zuhause einfach mal aus mit dem feilschen. Ihr werdet euch wundern, wo überall Rabatte drin sind. Ok nicht wirklich überall. Wenn ihr im Restaurant bestellt, ist es vielleicht ein wenig unangebracht, die Bedienung zu fragen, ob ihr das Schnitzel für 8 Euro statt 12,90 Euro bekommen könnt. Auch im Supermarkt dürfte es schwierig werden, die Markenbutter an der Kasse von 1,39 Euro auf 1 Euro runterzuhandeln. Aber zahlreiche Händler lassen durchaus mit sich reden. Auch und gerade bei größeren Anschaffungen, wenn es um viel Geld geht. 

Probiert es auch bei großen Handelsketten aus

Der Konkurrenzdruck durch den Online-Handel hat die Bereitschaft vieler stationären Händler in den letzten Jahren sogar noch erhöht, Zugeständnisse beim Preis zu machen, wenn ein Kunde darauf besteht. Dazu gehören keineswegs nur kleine Händler, sondern auch einige ganz große wie die Elektromarktketten MediaMarkt und Saturn. Wenn der Artikel eurer Wahl zum Beispiel beim Online-Riesen Amazon billiger ist, dann wird der Verkäufer bei MediaMarkt oder Saturn in aller Regel bereit sein, euch diesen Artikel zum Amazon-Preis zu geben. Am besten ihr ruft diesen Artikel in Gegenwart des Verkäufers bei Amazon auf und zeigt ihm den Preis auf eurem Handy. Ihr werdet sehen, das kann Wunder wirken. 

Ich wage die Prognose: Wenn ihr einmal mit dem Feilschen angefangen habt, dann könnt ihr es irgendwann nicht mehr lassen. Aber bitte übertreibt es nicht und treibt die kleinen Händler mit gnadenlosem Gefeilsche um den letzten Cent nicht in den Ruin. Und zeigt euch, dank des vielen gesparten Geldes durch erfolgreiches Feilschen, beim Frisör oder im Restaurant umso großzügiger mit dem Trinkgeld. 

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