Kauft bloß keine Gutscheine!

Gutscheine sind eine prima Sache, so scheint es. Statt euch den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, was ihr einer bestimmten Person zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zu welchem Anlass auch immer schenken könntet, besorgt ihr einfach einen Gutschein im Handel. Dann kann sich die begünstigte Person später in aller Ruhe selbst ein Geschenk nach ihrem Geschmack aussuchen. Eine Win-Win-Situation also für Schenker und Beschenkte. Problem gelöst.

Image by mohamed Hassan from Pixabay

Die Wahrheit ist jedoch eine ganz andere. Statistisch kann ich es zwar nicht belegen, eine Umfrage im Bekanntenkreis kommt jedoch zu einem eindeutigen Ergebnis: Die meisten Menschen freuen sich nicht besonders über einen Gutschein. Sie haben das Gefühl – und das oft nicht zu Unrecht – dass Sie dem Schenkenden nicht sehr wichtig sind, wenn der sich schon nicht die Mühe macht, etwas Persönliches auszusuchen. 

Viele Gutscheine werden nie eingelöst

Doch mir geht es hier nicht um den emotionalen Aspekt, sondern um den finanziellen. Fakt ist: Ein sehr großer Teil der Gutscheine wird von den Beschenkten gar nicht erst eingelöst. Und da die meisten Gutscheine ein Ablaufdatum haben, verfallen sie irgendwann ungenutzt. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, denn der Handel wird sich hüten, eine solche Zahl zu veröffentlichen, aber immerhin gibt es Annährungswerte. Einer Umfrage von Blackhawk Network zufolge haben in den USA 51 Prozent der Verbraucher angegeben, schon mindestens einmal einen Gutschein nicht eingelöst zu haben. 

Experten schätzen, dass die Zahl der Gutscheine, die verfallen, im deutlich zweistelligen Bereich liegt. Nehmen wir also einmal an, dass 25 Prozent der Gutscheine nicht eingelöst werden (rein gefühlsmäßig würde ich schätzen, dass die Zahl sogar noch höher ist), dann bedeutet das im Umkehrschluss: Wenn ihr einen Gutschein kauft, dann bezahlt ihr im Schnitt faktisch 100 Euro für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die eigentlich nur 75 Euro kostet. Denn die restlichen 25 Euro verfallen ja ungenutzt, rein statistisch natürlich.

Gutscheine sind also eine prima Erfindung – aber nur aus Sicht des Handels. Denn sie verschaffen ihm Umsätze, für die er zu großen Teilen gar keine Gegenleistung erbringen muss. Doch nicht nur das: Verfällt ein Gutschein, muss der Händler für diesen Betrag auch keine Mehrwertsteuer an den Fiskus abführen. Der Handel profitiert also gleich doppelt von den Gutscheinen. Eigentlich schon fast genial!

Ein paar Ausnahmen von der eisernen Regel

Es gibt übrigens ein paar Ausnahmen von meiner eisernen Regel, bloß keine Gutscheine zu verschenken. Manchmal kommt es vor, dass Händler zu Werbezwecken Gutscheine zu einem niedrigeren Preis als zum Gutscheinwert anbieten. Die Elektronik-Kette Media Markt zum Beispiel hat ein paar Jahre lang um die Weihnachtszeit Gutscheine im Wert von 60 Euro für 50 Euro verkauft. Bei solchen Aktionen kann ich nur raten: Kauft so viele Gutscheine wie ihr kriegen könnt! Aber verschenkt sie auf keinen Fall, sondern nutzt sie selbst!

Selbstgebastelte Gutscheine (zum Beispiel für einen gemeinsamen Ausflug ins Grüne oder einmal romantisch Essen gehen) sollt ihr natürlich auch weiterhin verschenken. Denn mit diesen Gutscheinen könnt ihr insgeheim darauf hoffen, dass ihr sie gar nicht einlösen müsst. Nein, nein, das war gerade nur Spaß. Oder vielleicht doch nicht?

Ein Kommentar zu “Kauft bloß keine Gutscheine!

  1. Genau so isses! Meine Erfahrung mit Gutscheinen deckt sich absolut mit den Marktforschungen! Ich werfe öfters alte Gutscheine weg, weil sie verfallen sind oder ihr Einlösen zu mühselig! Zudem stimmt der erste Aspekt auch, geschenkte Gutscheine erscheinen lieb- und gedankenlos. Ich schenke immer dann Gutscheine, wenn ich mich mit der Person nicht auseinandersetzen will. Toller Artikel! Danke

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