Fahrrad mieten statt kaufen. Das lohnt sich!

Das Fahrrad gilt ja als ein besonders kostengünstiges Verkehrsmittel. In Berlin, der Großstadt, in der ich lebe, genießt es diesen Ruf allerdings völlig zu Unrecht. Im Gegenteil: Manchmal scheint es mir, als wäre ich sogar mit einem Auto billiger unterwegs. Aus unerklärlichen Gründen nämlich sind hier ausgerechnet die rechten Fahrstreifen und die Fahrradwege häufig übersäht mit Glassplittern.  

Die Folge: Regelmäßig habe ich einen „Platten“ und muss zum Fahrradladen. Doch nicht nur die Reifenpannen gehen ins Geld. Ständig zwickt es meinem klapprigen Gefährt irgendwo: In schöner Regelmäßigkeit erwischt es das Vorderlicht, das Rücklicht, die Bremsen, die Gangschaltung oder das Hinterrad bekommt einen heftigen Seitenschlag ab (vulgo: einen fetten Achter). 

Noch ärgerlicher aber ist, dass ich mir ständig existenzielle Sorgen um mein Fahrrad machen muss. Alle 17 Minuten nämlich wird in Berlin ein Fahrrad gestohlen. Insgesamt sind es 30.000 pro Jahr. In den vergangenen 21 Jahren (so lange lebe ich schon in Berlin) sind mir dadurch bereits mindestens ein halbes Dutzend Fahrräder abhanden gekommen. Die Diebe schlagen nicht nur nachts, sondern auch am hellichten Tag zu. In vielen Fällen handelt es sich wohl um organisierte Banden. Die lassen sich auch von dicken Kettenschlössern nicht abschrecken. Denn sie sind natürlich mit dem passenden Werkzeug ausgestattet, um die Schlösser zu knacken. Die Aufklärungsquote ist gleich null. Ich habe gelesen, dass die meisten Fahrräder später auf irgend einem Flohmarkt in Osteuropa wieder auftauchen.

Ähnlich wie mir erging es meinem Kumpel Matthias. Auch ihm sind schon einige Fahrräder abhanden gekommen, auch er fluchte über permanenten Reparaturbedarf. Anders als ich hat Matthias daraus allerdings bereits Konsequenzen gezogen: Er besitzt schon längst kein eigenes Fahrrad mehr, sondern er mietet nur noch und ist damit richtig happy.

Natürlich geht Matthias zu diesem Zweck nicht zum Laden an der Ecke, der Fahrräder für zehn Euro am Tag an Touristen vermietet. Er ist Kunde bei Swapfiets. Der Anbieter hat sich auf die Langzeitvermietung von Fahrrädern spezialisiert. Sie nennen es Fahrrad-Abo. Das Prinzip: Euch wird dauerhaft ein solides Fahrrad zur Verfügung gestellt. Wenn etwas kaputt geht, kümmert sich Swapfiets darum. Swapfiets garantiert eine Reparatur innerhalb von 48 Stunden und schickt einen Service-Mitarbeiter (einen „Swapper“) vorbei. Ist das Fahrrad nicht mehr reparabel, wird es ersetzt. Noch schneller geht es in der Regel mit dem Service, wenn ihr euch direkt in einen der Swapfiets-Stores begibt. 

Und wenn das Fahrrad gestohlen wird? Dann müsst ihr einmalig 60 Euro zahlen. Der Rest wird durch eine Fahrradversicherung abgedeckt, die im monatlichen Abo-Preis inbegriffen ist. Voraussetzung ist lediglich, dass das Rad abgeschlossen war. In diesem Fall bekommt ihr natürlich auch ein Ersatzfahrrad. 

Wenn ihr euch für Swapfiets interessiert, dürft ihr nicht besonders anspruchsvoll sein, was das Design und die Ausstattung des Fahrrads angeht. Es gibt lediglich zwei Modelle in einheitlicher Farbe zur Auswahl: das „Deluxe 7“ Rad mit sieben Gängen und das „Original“, ein Hollandrad ganz ohne Gangschaltung. Darüber hinaus gibt es noch einen Elektroroller, den E-Kick, sowie ein Elektro-Moped, den E-Scoot 1800. Swapfiets gibt es übrigens nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Dresden, Leipzig, Stuttgart, Düsseldorf, Mannheim, Bremen und in rund 20 weiteren deutschen Städten.

Und was kostet Swapfiets nun? Die Preise können von Stadt zu Stadt variieren. In Berlin zahlt ihr für das Deluxe-Rad knapp 20 Euro pro Monat, das einfache Hollandrad ist drei Euro billiger, der E-Kick kostet 40 Euro und der E-Scoot immerhin stolze 119,50 Euro. Für Studenten (pardon, heute soll man ja geschlechtsneutral Studierende sagen) gibt es Ermäßigung. Für das Deluxe 7 zum Beispiel zahlt ihr dann nur 18,50 Euro im Monat. Hinzu kommen für alle (also Studierende oder nicht) noch einmalige Bereitstellungskosten von 19,50 Euro. Die fallen aber weg, wenn ihr euch für mindestens sechs Monate an Swapfiets bindet. 

Ich habe mal eine kleine Rechnung aufgestellt, um für euch die Kosten für ein eigenes Fahrrad mit denen für ein Swapfiets-Abo zu vergleichen. Ich bin bei meiner Kalkulation davon ausgegangen, dass ihr das Fahrrad täglich nutzt, um damit zur Arbeit oder zur Uni zu fahren.

Bei Swapfiets ist die Rechnung einfach. Ich veranschlage dafür 22 Euro monatlich für die Deluxe 7 Version. Denn zum Holland-Rad ohne Gangschaltung würde ich euch nicht raten. Warum veranschlage ich aber 22 und nicht 20 Euro? Weil ich einen kleinen Sicherheitsaufschlag für den Fall des Diebstahls einkalkuliere. Ihr erinnert euch: Wenn das Fahrrad gestohlen wird, seid ihr mit 60 Euro Eigenbeteiligung dabei. 

Wie sieht es nun mit dem eigenen Fahrrad aus? Hier komme ich auf monatliche Kosten von 26 Euro. Ich habe folgendermaßen gerechnet. Anschaffungskosten eines mit dem Deluxe 7 Modell von Swapfiets vergleichbaren Fahrrads: 400 Euro. Lebensdauer bei täglichem Gebrauch: fünf Jahre. Vielleicht kommen euch diese fünf Jahre etwas kurz vor, aber hier habe ich das Diebstahlrisiko als lebensverkürzende Maßnahme mit einkalkuliert. Alternativ könntet ihr natürlich auch eine eigene Fahrradversicherung abschließen. Das würde die rechnerische Lebensdauer eures Fahrrads zwar verlängern, dafür hättet ihr aber auch höhere Kosten. Denn Fahrradversicherungen sind nicht billig.

Pro Monat schlagen die Anschaffungskosten also mit knapp 7 Euro zu Buche. Hinzu kommt eine jährliche Wartung zum Preis von 50 Euro, also 4 Euro monatlich. Die Reparatur- und sonstigen Gebrauchskosten veranschlage ich mit im Schnitt mit etwa 15 Euro monatlich. Habe ich diese Kosten zu hoch angesetzt? Ich glaube nicht. Ihr müsst euch nämlich darüber im Klaren sein, dass schon die Reparatur eines Platten 15 bis 20 Euro kostet und dass ihr ja auch immer wieder Ersatzteile aufgrund von Verschleiß benötigt. 

Insgesamt kostet euch das eigene Fahrrad nach meiner Rechnung also rund 4 Euro mehr im Monat als das Swapfiets-Rad. Das ist kein sehr großer Unterschied. Bedenkt aber eines: Beim eigenen Fahrrad besteht für euch immer das Risiko, dass es euch mit den Pannen besonders schlimm erwischt. Bei Swapfiets bekommt ihr dagegen die Vollkasko-Variante. Das kann sehr beruhigend sein.

Photo by Genaro Servu00edn on Pexels.com

Wenn ihr handwerklich geschickt seid und kleinere Dinge selbst repariert, sieht die Rechnung natürlich schon wieder ganz anders aus. Ihr solltet dann aber auch die investierte Zeit einberechnen, die ihr vielleicht sinnvoller oder angenehmer nutzen könntet.

Warum ich selbst noch nicht auf Swapfiets umgestiegen bin? Momentan fahre ich gerade ein Rad, das in so erbarmungswürdigem Zustand ist, dass sich Diebe offenbar nicht dafür interessieren. Auch eine Panne hatte ich erstaunlicherweise schon seit einigen Wochen nicht mehr. Den nächsten größeren Schaden werde ich aber wohl nicht mehr reparieren lassen. Und sollte dieses Rad doch noch gestohlen werden, werde ich es auch nicht mehr ersetzen, sondern www.swapfiets.de in den Browser meines Laptops eintippen. 

Ein Kommentar zu “Fahrrad mieten statt kaufen. Das lohnt sich!

  1. Wunderbarer Tipp! Mir sind auch schon diverse Räder geklaut worden. Außerdem brauche ich das Fahrrad im Winter nicht und käme so bei der Miete vielleicht sogar noch günstiger, als von Dir berechnet, weg. Danke!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: