Traut dem Big Mac Index nicht!

Um der Bevölkerung das unterschiedliche Preisniveau in verschiedenen Ländern und Wirtschaftszonen der Welt zu veranschaulichen, ist die Volkswirtin Pamela Woodall 1986 auf eine glorreiche Idee gekommen: Die damalige Korrespondentin des angesehenen britischen Wirtschaftsmagazins Economist erfand den Big Mac Index. 

Der Gedanke dahinter: Es reicht, den Preis des Premium-Burgers einer bekannten, rund um den Globus vertretenen Schnellimbiss-Kette zu vergleichen, um auf Anhieb zu wissen, wie die Kaufkraft in einem bestimmten Land ist – absolut und in Relation zu jedem anderen Land. Denn die Qualität und Beschaffenheit des Big Macs sei in jedem Land nahezu identisch. Der besseren Vergleichbarkeit wegen wird der Preis des Big Macs für den Index übrigens von der jeweiligen Landeswährung in US-Dollar umgerechnet. Längst hat sich der Big Mac Index als anerkannter Preisindikator etabliert und wird immer wieder auch von ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Publikationen zitiert.

Meiner eigenen Beobachtung zufolge hat der Big Mac Index allerdings zwei entscheidende Schwächen, die in dieser Form offenbar noch niemandem vor mir aufgefallen sind.

Die erste Schwäche: Die Annahme, die Qualität des Big Macs sei weltweit praktisch identisch, trifft offensichtlich nicht ganz zu. Julian, mein ehemaliger Mitbewohner, ein junger Mann aus Argentinien, schwört jedenfalls beim Barte des Gauchos, dass der Big Mac in seiner Heimatstadt Buenos Aires wesentlich besser schmecke als in Berlin. Er führt das auf die Qualität des Fleisches zurück. Das argentinische Rindfleisch ist ja bekanntlich legendär. Zwar gehe ich nicht davon aus, dass ausgerechnet die allerbesten Filetstücke der stolzesten Rinder des Landes als Burger-Patty in den McDonalds-Filialen der argentinischen Hauptstadt landen. Dennoch, es ist eben Rindfleisch aus Argentinien. 

Der Ruf des deutschen Rindfleischs ist dagegen nicht erst seit den jüngsten Fleischskandalen – Stichwort Massentierhaltung – angekratzt. Da kann man sich schon vorstellen, was da so im Big Mac landet. Ein Anruf in der Pressestelle des Burger-Braters in München bringt dann jedoch eine überraschende Erkenntnis: „Wir beziehen 88% unseres Rindfleischs aus Deutschland. Dabei verwenden wir hauptsächlich Fleisch von Milchkühen aus überwiegend kleinen bis mittleren Betrieben“, heißt es dort. Dadurch werde der sogenannte „ökologische Fußabdruck“ auf Milch, Kalb und Fleisch verteilt. Mag ja alles sein. Dennoch möchte ich Julian Glauben schenken. Es geht halt nichts über den Big Mac aus der Pampa.

Das alles allerdings nur am Rande. Von viel größerem Gewicht ist die zweite Schwäche des Big Mac Index. Ich behaupte nämlich: Er spiegelt nicht den tatsächlichen Preis des Burgers in den einzelnen Ländern und Regionen wider. 

Doch schauen wir uns den Index zunächst einmal etwas genauer an, bevor ich meine Behauptung näher erläutere. Laut Big Mac Index ist der Big Mac wo am teuersten? Richtig geraten: in der Schweiz. Umgerechnet stolze 7,29 US-Dollar müssen die Eidgenossen für ein Exemplar von McDonalds bestem Stück zahlen. Nach aktuellem Wechselkurs entspricht das 6,13 Euro. Auf Platz zwei und drei folgen übrigens Schweden und Norwegen. Auf Platz vier landen dann schon die USA mit 5,66 Dollar pro Big Mac. 

Deutschland wird leider nicht einzeln aufgelistet, sondern nur die Eurozone als ganze. Sie steht im Index derzeit auf Platz 7 mit 5,16 Dollar für den Big Mac. Das sind 4,34 Euro. Am günstigsten weltweit ist der Big Mac übrigens im Libanon, wo er gerade mal 1,77 Dollar kostet. Kaum teurer ist er mit 1,81 Dollar in Russland. Und in der Türkei ist er für 2,01 Dollar zu haben. 

Photo by Engin Akyurt on Pexels.com

So, jetzt kennen wir also die Big-Mac-Preise in den teuersten und billigsten Ländern. Was veranlasst mich nun zu meiner Behauptung, der Index spiegele die tatsächlichen Preise nicht wieder? Als treue Sparwolff-Leser habt ihr es sicher längst erraten: Es sind die vielen Sonderangebote für den Big Mac. In Deutschland jedenfalls kauft meiner Beobachtung nach so gut wie niemand den Big Mac zum Normalpreis von über 4 Euro. Denn das ist er auch beim besten Willen nicht wert. McDonalds Kunden sind überwiegend jung und sparsam. Sie wissen, dass sie für den Preis  vier normale Hamburger bekommen und dann immer noch ein paar Cent übrig hätten. 

Der Big Mac wird entweder im Sparmenü gekauft oder – noch öfter, wenn es ihn tatsächlich wieder mal zum Schnäppchenpreis gibt. Das kommt in schöner Regelmäßigkeit vor. Denn alle paar Wochen verteilt der Burger-Konzern Gutscheine, die auch das Angebot „zwei Big Mac zum Preis von einem“ enthalten. Doch es geht noch billiger. Im Rahmen des großen Oster-Countdowns zum Beispiel gibt es den Big Mac aktuell an einigen Tagen „in allen teilnehmenden Restaurants“ schon für 1,50 Euro pro Stück. Im vergangenen Jahr war der Big Mac im Rahmen solcher oder ähnlicher Aktionen deutschlandweit sogar für 1 Euro zu haben. Wer da nicht zuschlägt, ist entweder kein Anhänger der Sparwolff-Philosophie oder Vegetarier.

Geht es also nach dem durchschnittlichen in Deutschland von den Kunden gezahlten Preis pro Big Mac, den ich mal ganz vorsichtig so auf um die 2,20 bis 2,40 Euro taxieren würde, dann müsste Deutschland zu den Billigländern im Big-Mac-Index zählen – vorausgesetzt der Big Mac wird in anderen Ländern nicht so oft zum Schleuderpreis verkauft wie hierzulande, wovon ich ausgehe.

Ihr seht also: Der Big Mac Index mag ein anschauliches Instrument sein, um das Preisniveau der verschiedenen Länder zu vergleichen. An der Realität geht er indes vorbei. Sorry, Pamela.

Eines noch: Ihr wundert euch vielleicht, warum im Bild kein echter Big Mac zu sehen ist, sondern ein x-beliebiger Burger mit Pommes. Nun: Den Big Mac habe ich als frei verfügbares Foto nicht finden können. Und so schön ist der Original Big Mac auch wieder nicht, dass ein Sparwolff dafür zahlen würde, um ihn abbilden zu dürfen. Ich nehme an, ihr habt für meine Entscheidung Verständnis. Also dann, guten Appetit!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: