Erstmal alles ausprobieren

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang.“ Die Empfehlung Friedrich Schillers befolgen heute (bewusst oder unbewusst) die meisten Paare. Sie praktizieren die Ehe auf Probe – und zwar in mehreren Schritten: Erst treffen sie sich eine Weile lang. Wenn es gut läuft, ziehen sie irgendwann zusammen. Und nur wenn sich auch dieses Zusammenleben bewährt, heiraten sie. Oder sie lassen es bleiben und leben dauerhaft in „wilder Ehe“ zusammen, wie unverheiratete Paare, die sich eine Wohnung teilen, früher missbilligend genannt wurden.

Schillers Rat eignet sich indes nicht nur für Liebesbeziehungen, sondern auch für viele andere Verbindungen, die der Mensch im Leben eingeht. Ob Vereinsmitgliedschaft, Fitnessclub, Zeitungsabonnement oder Bahncard. In vielen Fällen lohnt es sich, erstmal nur einen Vertrag auf Probe abzuschließen.

Bahncard

Fangen wir mit der Bahncard an. Denn die Deutsche Bahn bietet ausdrücklich eine Bahncard auf Probe an. Sie nennt diese (orthografisch nicht ganz korrekt, weil der Bindestrich fehlt und weil sie das „C“ großschreibt, aber darüber wollen wir einmal großzügig hinwegsehen) die Probe BahnCard. Diese gibt es in mehreren Variationen. Die Probe BahnCard 25 zum Beispiel kostet 17,90 Euro und ist drei Monate gültig. Mit ihr bekommt ihr 25 Prozent Ermäßigung auf alle Fahrten – auch auf Sonderpreise. Wenn ihr nur sehr selten mit der Bahn reist, dann ist das für euch genau das Richtige.

Die reguläre, ein Jahr gültige BahnCard 25 ist mit 55,70 Euro aufs Jahr gerechnet zwar etwas günstiger. Doch was nützt euch dieser geringfügige Preisvorteil, wenn ihr die Karte praktisch nie verwendet? Am besten ihr holt euch also die Probe BahnCard 25 – aber erst, wenn ihr eine Fahrt mit der Bahn plant. Sorgt dafür, dass der erste Geltungstag auch der Reisetag ist. Dann könnt ihr die Laufzeit optimal nutzen.

Noch wichtiger: Kündigt eure Probe BahnCard rechtzeitig. Denn sonst verwandelt sie sich automatisch in eine reguläre BahnCard. Die verlängert sich wiederum Jahr für Jahr, wenn sie nicht gekündigt wird. Wenn ihr plant, auch weiterhin gelegentlich mit der Bahn zu fahren, lohnt die sich durchaus. Aber auch nur dann. Wenn ihr unter 27 Jahre alt seid, dann solltet ihr eventuell doch gleich zur regulären BahnCard greifen. Die heißt in eurem Fall dann My BahnCard 25 und kostet lediglich 34,90 Euro im Jahr Jahr. Aber Vorsicht: Nach eurem 27. Geburtstag zahlt ihr automatisch den regulären Preis.

Sportverein und Fitnessclubs

Einige Sportvereine und Fitnessclubs suchen händeringend nach neuen Mitgliedern und bieten deshalb zunächst eine Probemitgliedschaft an. Ein solches Angebot anzunehmen, ist fast immer sinnvoll. Denn eure Vorsätze mögen noch so gut sein. Oft lässt die Begeisterung für die sportliche Betätigung schon nach mehreren Wochen spürbar nach und ihr geht kaum mehr oder gar nicht mehr hin. Oder ihr kommt mit der Atmosphäre in dem schicken Tennisclub nicht klar und ihr möchtet nach einigen Wochen doch mal lieber einen anderen Verein ausprobieren. Zudem ist die Probemitgliedschaft oftmals besonders kostengünstig oder sogar kostenlos. Schließlich soll euch der Club oder der Verein ja schmackhaft gemacht werden.

Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Wie bei der Bahncard gilt auch hier: Achtet auf die Kündigungsfristen. Sonst verwandelt sich eure Probemitgliedschaft ganz schnell in eine reguläre Mitgliedschaft, die erst nach einem oder sogar zwei Jahren (bei Fitnessclubs sind zwei Jahre Vertragsdauer die Regel) gekündigt werden kann.

Zeitungs- oder Zeitschriftenabonnements

Als Journalist tut mir der folgende Tipp eigentlich im Herzen weh. Denn ihr wisst sicherlich auch, dass es vielen Medienhäusern nicht besonders gut geht: Die Leserschaft schwindet. Vor allem junge Leute sind heute kaum noch bereit, für Information Geld zu zahlen. Das halte ich für einen groben Fehler. Denn die kostenlosen Informationsquellen im Internet lassen qualitativ doch sehr zu wünschen übrig. Wer dauerhaft gut informiert sein will, kommt um die regelmäßige Lektüre einer seriösen Zeitung wie der FAZ, der SZ oder der Zeit nicht herum. (egal ob als Print oder als E-Paper).

Dennoch kann ich es natürlich nachvollziehen, wenn es euch schwer fällt, regelmäßig das Geld für ein Zeitungsabo aufzubringen. Wenn ihr also knapp bei Kasse seid (und nur dann!), dann nutzt die zweiwöchigen (manchmal auch vierwöchigen) stark vergünstigten oder sogar kostenlosen Probeabonnements, die viele Verlage anbieten. In einigen Fällen laufen die Abos automatisch aus. Ihr müsst dann gar nichts unternehmen, wenn ihr das Abo nicht verlängern wollt. In den meisten Fällen jedoch verlängert sich das Abo nach der Probephase automatisch und wird zu einem regulären Abo. Es empfiehlt sich deshalb, das Abo direkt nach Vertragsabschluss wieder zu kündigen. Meist geht das problemlos online. Wenn ihr die Zeitung oder die Zeitschrift anschließend weiter beziehen möchtet (was mich natürlich sehr freuen würde), dann könnt ihr das immer noch tun.

Erkundigt euch beim Verlag, ob sich mehrere Nutzer ein digitales Abo teilen können (wie das ja bei Printausgaben auch möglich ist). Sollte das möglich sein, wäre es doch eine Überlegung wert, euch zu zweit, zu dritt oder zu viert zusammenzutun und euch zu einem gemeinsamen regulären Abo durchzuringen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Das Sparwolff-Abo müsst ihr euch übrigens mit niemandem teilen und auch nicht auf Probe abschließen. Es ist und bleibt für euch selbstverständlich kostenlos.

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