Das Urteil zum Mietendeckel sollte jeden Mieter zum Nachdenken anregen

Auch wenn ihr nicht in Berlin wohnt, habt ihr es es sicher mitbekommen: Das Bundesverfassungsgericht hat gestern den Berliner Mietendeckel kassiert. Das vom rot-rot-grünen Senat der Hauptstadt 2019 verabschiedete Berliner Gesetz zur Deckelung der Mieten verstößt gegen das Grundgesetz. Weil der Bund mit der Mietpreisbremse bereits eine Regelung beschlossen hat, die den Anstieg der Mieten verlangsamen soll, dürfen die Länder keine eigenen Regelungen zu dem Thema beschließen. Denn die Länder sind nur dort zur Gesetzgebung befugt, wo der Bund von seiner Gesetzgebungskompetenz keinen Gebrauch gemacht hat.

Viele Berliner haben voller Wut auf dieses Urteil reagiert. Am Abend fanden sie sich zu einer spontanen Demo zusammen und marschierten durch die Szenebezirke Kreuzberg und Neukölln. Mindestens 10.000 Menschen nahmen nach Schätzungen des Tagesspiegels daran teil. Laut den Veranstaltern waren es sogar 15.000 Teilnehmer. Pandemie hin, Pandemie her. Auf Fotos sieht man, dass die meisten zwar Masken tragen, doch Abstände werden keine eingehalten. Die Wut entlud sich in Ausschreitungen und tätlichen Angriffen auf Polizisten. Als seien die Ordnungshüter für das Urteil des Bundesverfassungsgerichts verantwortlich.

Wahrscheinlich sind auch viele von euch Sparwolff-Lesern enttäuscht von diesem Urteil. Den Berlinern unter euch, die vom Mietendeckel profitiert haben, dürfte es womöglich ganz konkrete finanzielle Sorgen bereiten. Denn ab sofort müsst ihr wieder deutlich mehr Miete zahlen und in den kommenden Jahren auch wieder mit weiter steigenden Mieten rechnen. Zudem drohen euch Nachzahlungen für die vergangenen Monate, in denen der Mietendeckel, wie nun vom Bundesverfassungsgericht festgestellt, zu Unrecht angewandt wurde – es sei denn, eure Wohnung gehört dem Konzern Vonovia. Der hat – wahrscheinlich aus Image-Gründen – angekündigt, dass er auf Nachzahlungen verzichtet.

Photo by cottonbro on Pexels.com

Wut und Enttäuschung sind allerdings schlechte Ratgeber. Stattdessen solltet ihr euch Gedanken darüber machen, ob es wirklich so sinnvoll ist, dauerhaft zur Miete zu wohnen. Denn eines zeigt das höchstrichterliche Urteil zum Mietendeckel doch ganz deutlich: Beim Wohnen solltet ihr euch nicht auf die Versprechungen der Politik verlassen. Das gilt für aktionistische Regelungen wie den Mietendeckel genauso wie für großspurige Ankündigungen, dass angeblich viele neue Wohnungen gebaut werden.

Verlasst euch also lieber auf eure eigene Tatkraft und nehmt das Wohnen selbst in die Hand. Kauft euch, wenn ihr es finanziell irgendwie hinbekommt, eine eigene Wohnung. Selbst wenn ihr nicht viel Eigenkapital habt und euer Einkommen noch gering sein sollte, haben viele von euch die Chance dazu. Denn die Zinsen für Immobilienkredite sind außerordentlich niedrig und die Geldhäuser stehen unter Druck. Sofern ihr einen Job mit sicherem Einkommen habt, dürftet ihr daher auch eine Bank finden, die euch ein günstiges Darlehen gewährt.

Ihr solltet euch nur folgende Fragen stellen: Müssen es unbedingt gleich 90 Quadratmeter oder mehr sein? Muss es um jeden Preis ein Albau mit Dielen und Stuck oder ein schicker Neubau sein? Und muss die Wohnung auf Teufel komm raus in einem angesagten Bezirk liegen?

In Berlin zum Beispiel, der Stadt, in der ich seit über 20 Jahren lebe, könnt ihr mit etwas Glück, trotz der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise, noch immer eine bezugsfreie Zweizimmer-Wohnung von rund 50 Quadratmetern für um die 200.000 Euro finden – sogar mit Balkon. Das ist dann eben nicht der prunkvolle Stuck-Altbau in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg und auch nicht das schicke Loft in Ku’damm-Nähe oder in Mitte, sondern ein vielleicht eher schlichter und schmuckloser Bau aus den 50er oder 60er Jahren in Wedding, Reinickendorf, Lichtenberg oder Mariendorf. Aber Leute, es ist dann euer Eigentum!

In Außenbezirken wie Spandau, Hellersdorf oder Schöneweide könnte es sogar noch etwas günstiger für euch werden. Nicht gerade euer Traum? Das kann ich verstehen. Aber macht euch bewusst: Ihr müsst nicht ewig dort wohnen bleiben, auch wenn es euer Eigentum ist. Viel spricht dafür, dass die Preise in den Metropolen weiter steigen werden. Ihr bildet damit also Vermögen.

Auf meine Heimatstadt München übertragen bedeutet das: Solange ihr kleine Brötchen backen müsst, sucht euch ein günstiges Objekt in Milbertshofen, Laim, Obermenzing oder Giesing statt ohne Aussicht auf Erfolg von einer bezahlbaren Eigentumswohnung in Schwabing, Lehel, Haidhausen oder im Glockenbachviertel zu träumen.

In anderen Städten kenne ich mich nicht so gut aus. Aber da wird es genauso sein: In nicht ganz so beliebten Stadtteilen dürften Eigentumswohnungen noch vergleichsweise erschwinglich sein – und vielleicht auch die größeren Wertsteigerungen erwarten lassen als in den eher überteuerten Szenebezirken.

Spanier, Italiener, Franzosen oder Briten haben es längst vorgemacht. In diesen Ländern sind die Eigentumsquoten deutlich höher als in Deutschland. Auch und gerade unter jungen Leuten. Nehmt euch also an ihnen ein Beispiel. In ein paar Jahren, wenn sich eure Lebens- und Einkommenssituation geändert hat, könnt ihr die Wohnung, die ihr heute erwerbt dann vermieten oder verkaufen und euch selbst etwas Besseres leisten.

Macht also einen Kassensturz und vereinbart einen Termin mit dem Baufinanzierungsberater der Bank eures Vertrauens. Und fangt damit an, auf Portalen wie Immoscout24 oder Immowelt nach geeigneten Objekten zu forschen. Anders als bei der Suche nach einer Mietwohnung, wo ihr oft zu Dutzendenden durch ein Objekt geschleust werdet, werden Kaufinteressenten wie echte Menschen behandelt. In aller Regel bekommt ihr problemlos einen Einzeltermin mit dem Makler oder dem Eigentümer. Probiert es aus. Vielleicht werdet ihr dem Sparwolff noch dankbar sein, dass er euch in eure ersten eigenen vier Wände gelotst hat.

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